Wertgrenzen bei Zwangsversteigerungen: Das musst Du wissen!
Das solltest Du über die Wertgrenzen in einer Zwangsversteigerung wissen
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Janek Felsch
Co-Founder und ZV-Experte ·
Zwangsversteigerungen bieten eine spannende Möglichkeit, Immobilien zu erwerben, oft zu Preisen unterhalb des marktüblichen Werts. Das Verfahren ist gesetzlich geregelt und unterliegt hierbei einigen wichtigen Regelungen, insbesondere in Bezug auf sogenannte Wertgrenzen. Diese Grenzen beeinflussen maßgeblich, ob ein Zuschlag erteilt wird. In diesem Artikel erfährst Du, was Wertgrenzen sind, wie sie den Ablauf der Zwangsversteigerung beeinflussen und welche strategischen Überlegungen diese mit sich bringen.
1. Ersttermin: Die Rolle der Wertgrenzen – 7/10- und 5/10-Grenze
Wertgrenzen dienen grundsätzlich dem Schutz der Gläubiger, die ihre Ansprüche aus dem Versteigerungserlös befriedigen möchten. Die wichtigsten Schwellenwerte sind die 7/10-Grenze und die 5/10-Grenze, die sich auf den gerichtlich festgesetzten Verkehrswert der Immobilie beziehen.
Die 7/10-Grenze
Wird beim ersten Versteigerungstermin ein Gebot abgegeben, das weniger als 70 % des Verkehrswertes beträgt, kann der antragsberechtigte Gläubiger die Versagung des Zuschlags beantragen. Voraussetzung ist, dass der Gläubiger im Termin anwesend oder vertreten ist. Andernfalls wird der Zuschlag erteilt, selbst wenn die Grenze unterschritten wird.
Tipp: Oft lässt sich der Gläubiger von einem Anwalt vertreten. Du hast innerhalb der Zwangsversteigerung ein Kommunikationsrecht. Nutze dieses und sprich mit dem Gläubiger oder der Rechtsvertretung. Oftmals teilen diese transparent mit, welches Mindestgebot erreicht werden muss.
Die 5/10-Grenze
Liegt das Höchstgebot unter 50 % des Verkehrswertes, ist das Gericht verpflichtet, den Zuschlag von Amts wegen zu verweigern. In diesem Fall wird ein neuer Versteigerungstermin angesetzt. Diese Regelung dient insbesondere der Tatsache, dass Immobilien nicht zu Ramschpreisen veräußert werden sollen.
2. Zweittermin: Was passiert mit den Grenzen?
Sollte im ersten Termin kein Zuschlag erteilt werden, wird ein weiterer Versteigerungstermin anberaumt. Für den jetzt anstehenden Zweittermin gelten die Wertgrenzen nicht mehr. Das bedeutet:
- Freie Zuschlagsentscheidung:
Das Gericht kann den Zuschlag auch bei Geboten unterhalb der 7/10- oder 5/10-Grenze erteilen. - Vorteile für Bieter:
Für Interessenten bietet sich die Möglichkeit, die Immobilie zu einem besonders günstigen Preis zu erwerben, sofern keine höheren Gebote eingehen.
Es ist jedoch wichtig, die Interessen des betreibenden Gläubigers zu berücksichtigen. Dieser kann in seltenen Fällen das Verfahren einstellen, bevor ein zweiter Termin stattfindet. Insofern ist es auch hier sinnvoll, den direkten Kontakt zum Gläubiger oder seiner Rechtsvertretung zu suchen.
3. Tipps für den erfolgreichen Immobilienerwerb
Um bei einer Zwangsversteigerung erfolgreich zu sein, solltest Du die folgenden Punkte beachten:
- Vorbereitung ist alles:
Informiere Dich vorab umfangreich über die Immobilie. Insbesondere das Gutachten liefert Dir wichtige Anhaltspunkte. - Ablauf kennenlernen:
Besuche Versteigerungstermine, um den Prozess besser zu verstehen. Kommuniziere mit Anwesenden, insbesondere dem Gläubiger oder seiner Vertretung. - Strategisches Bieten:
Überlege, ob ein niedriges Gebot im ersten Termin sinnvoll ist, um im zweiten Termin bessere Chancen zu haben. Für die optimale Bietstrategie entwickelst Du ein Gefühl, nachdem Du erste Termine besucht hast. - Gutachtenanalyse nutzen:
Mithilfe von Tools wie der KI-gestützten Gutachtenanalyse von ZVnow kannst Du potenzielle Risiken und Chancen besser bewerten. Mit unseren Funktionen wollen wir Dir die Bewertung erleichtern. Du musst keine 80-seitigen Gutachten mehr durchforsten, sondern erhältst alle Informationen auf einen Blick.
Fazit
Wertgrenzen sind ein zentraler Bestandteil des Zwangsversteigerungsverfahrens und bieten sowohl Chancen als auch Herausforderungen. Während die 7/10- und 5/10-Grenze im ersten Termin den Zuschlag beeinflussen können, eröffnet der zweite Termin mehr Flexibilität. Eine gründliche Vorbereitung, ein durchdachtes Vorgehen sowie die Kommunikation mit den Beteiligten sind entscheidend, um von den Möglichkeiten der Zwangsversteigerung zu profitieren.